World of Circle – August 2010 – der mitgeschleifte Dackel

World of Circle – August 2010 – der mitgeschleifte Dackel

5. August 2010

DÖF

Auch wenn der Österreicher sich mir nicht gleich eindeutig über die Sprache als solcher zu erkennen gibt, gelingt es mir meistens ihn ob seiner Verhaltensweisen zu erkennen. Denn da gibt es kleine aber feine Unterschiede, die nur einem geübten Beobachter – z.B. mir – ins Auge fallen.

Als Piefke bleibe ich als Fußgänger an einem Zebrastreifen höchstens kurz stehen um die Verkehrslage zu checken und mich dann todesmutig vors nächste Auto zu werfen und es so zum Bremsen zu zwingen. Nicht so der österreichische Fußgeher, der wartet so lange bis das erste Auto hält, egal wie lange das dauert. Das mag wohl mit ein Grund sein, dass zu Schulzeiten so viele Zebrastreifen von Schülerlotsen oder sogar der Polizei(!) geregelt werden. Im Gegensatz dazu verhält sich der österreichische Autolenker genau entgegengesetzt, er hält nie, nicht einmal an einer roten Ampel, es sei denn, der durch die grüne Ampel geregelte Gegenverkehr beginnt zu fließen, dann bleibt auch der Österreicher stehen, vornehmlich mitten auf der Kreuzung, ob absichtlich um gegen rote Ampel und Gegenverkehr doch noch einen Sieg davon zu tragen oder gezwungenermaßen lasse ich mal offen. Der deutsche Autofahrer hält (fast) immer, was aber auch daran liegen kann, dass es in Deutschland so viele Blitzampeln gibt und eine rote Ampel einen teuer zu stehen kommt. Beim Blinker setzen sind sich hingegen beide einig: „Wird völlig überbewertet, ist also unnötig“. Der nächste auffällige Unterschied sticht bei der Abfallbeseitigung ins Auge. Während der Deutsche penibel darauf achtet leere PET-Flaschen so unversehrt wie möglich zu belassen, zerquetscht der Österreicher diese genauso zur Unkenntlichkeit wie leere Getränkedosen. Was allerdings nur dem in Deutschland urlaubenden Österreicher zum Nachteil gereicht, weil er nun den Einsatz nicht mehr zurück bekommt, da der Automat nur unversehrte PET-Flaschen erkennt.

Auch im trauten Heim erkennt der aufmerksame Beobachter sofort, ob er sich einem Österreicher gegenübersieht oder einem Piefke. Meistens noch vor der Wohnungstür zieht der Österreicher ungebeten und ungefragt seine Straßenschuhe aus, egal ob bei sich daheim oder irgendwo zu Besuch. Diese Sitte hält bei den Deutschen erst langsam Einzug und so gibt sich ein Piefke meist dadurch zu erkennen, dass man ihn erst darauf hinweisen muss, sich seines Schuhwerks zu entledigen, sei es mit Worten oder mit wortlos vor ihn hingestellten Filzpantoffeln, die zu meinem piefkaesken Erstaunen in vielen österreichischen Haushalten in allen Schuhgrößen vorhanden sind. Hat man sich – seines Schuhwerks beraubt – bei Speis und/oder Trank gemütlich gemacht, geht es alsbald ans Abspülen des benutzten Geschirrs, wobei man unschwer die Nationalität des Spülenden herausfinden kann. Sorgfältig beseitigt der Österreicher etwaig vorhandene Spülmittelreste, entweder unter Fließwasser oder im mit spülmittelfreien Wasser gefüllten zweiten Spülbecken. Beim Deutschen türmt sich hingegen eine Schaumkrone auf dem zum Abtropfen gestellten Geschirr. Auch mein Süßer lässt es sich hin und wieder nicht nehmen, das von mir gespülte Geschirr einem zweiten „Klarspülgang“ zu unterziehen. Aber das passiert immer seltener, vergess ich doch nur noch ganz selten auf den zweiten Spülgang.

Zum Schuhausziehen muss mich eh keiner mehr anhalten, da hat eine straßenschmutzfreie Wohnung Überzeugungsarbeit geleistet und unzerdrückte Plastikflaschen können mich schon lange nicht mehr als Piefke entlarven. Selbst am Zebrastreifen stoppe ich nun schon ein paar Sekunden länger, bevor ich mich meiner Herkunft besinne und dem nächsten Autolenker siegesgewiss in die Windschutzscheibe grinse. Nur beim Autofahren bleibe ich ganz Piefke und halte schon bei gelb, was den hinter mir fahrenden Österreicher zu einer Vollbremsung zwingt.

Alltagsgschichten von der Dispo bei Spinning Circle

Disposition Fahrradbotendienst

Little @work

Bei der meist stressigen Arbeit als Disponent bei Spinning Circle habe ich im Normalfall eher wenig Zeit mir lange Geschichten anzuhören. Mich interessieren meist nur Fakten wie Adressen, Namen, Zeiten….
Bei durchschnittlich zwischen 300 und 350 Telefonaten in 7 Stunden ist das leider nicht anders möglich. Außerdem gibt es ohnehin Gespräche die länger dauern. Auch wenn´s oft nur an der schlechten Verbindung liegt und ich alles fünfmal wiederholen muss oder eben fünfmal versuche es richtig zu verstehen. Oft erzählen mir die Circles was ihnen auf dem Weg alles passiert ist, wie knapp das mit diesem oder jenem Auto war und ähnliche Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmern, Polizisten, Schlaglöchern, kurzen Röcken, langen Haaren, usw.

Die Geschichte die mir Mex (unser neuer Kärntner Bursch) letztens erzählt hat, werde ich mir aber wohl noch eine Weile merken. Bei seiner Freimeldung (so nennen wir das, wenn wir nichts mehr zu tun haben) meinte er: „ I bin do fertig! – Des glaubst net, was mir ma grod passiert is! I foa auf da Unteren-Viadukt-Gosn und denk ma auf a moi – wos is´n des auf mein Haxn? Donn schau i owe – hängt a Hund auf mein Wadl und lost si mitschleifen!“ Darauf ich: „Was heißt es hängt a Hund auf dein Wadl?“ Mex wieder: „ Na a Hund hängt auf mein Wadl! Der hot si in mei Wadl verbissen und sich mitschleifen losn. I was a net wia des geht. Dann hob i ihn halt owe gegickt und er is weggrannt!“

Auch wenn Mex doch ziemlich geblutet hat, meinte er es sei nicht so schlimm und deshalb kann ich auch drüber lachen – erst recht wenn ich mir bildlich vorstelle wie Mex, der übrigens ein Fixie fährt, also ständig treten muss, mit einem Rauhaardackel am Wadel durch die Gegend fährt und der Hund sich bei jeder Kurbelumdrehung einmal im Kreis dreht. Ich hoffe auch der Hund hat seinen Spaß bei der Ringelspielfahrt.

Manche Telefonate hätte ich allerdings lieber nicht führen müssen. Besonders jenes als Piefke sich meldete und mir sagte, dass sie gerade gestürzt sei. Die Folgen sind ein ausgeschlagener Zahn, zahlreiche Schürfwunden und ein Kieferbruch. Zum Glück geht´s meiner Süßen schon wieder besser und sie kann auch schon wieder lachen.

-Little- Geschäftsführer, Spinning Circle





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