Das war die Tour de France 2011
Drei Wochen Tour de France sind wieder einmal an der Champs-Èlysées zu Ende gegangen. Auf aufregenden 21 Etappen wurden 3430 Kilometer quer durch Frankreich zurückgelegt. 100 Jahre Alpenüberquerungen wurden gefeiert, und auch die Entscheidung um den Gesamtsieg sollte erst in der Alpenstadt Grenoble fallen. Der Sieger 2011 – der Australier Cadel Evans.
Ein Aussie gewinnt in Paris
Im Vorfeld sprach alles vom Duell Andy Schleck gegen Alberto Contador, der spätere Toursieger Cadel Evans nur als Mitfavorit eingestuft. Bereits auf der ersten Etappe kam er als Zweiter ins Ziel, Contador verlor bereits eine Minute. Die vierte Etappe konnte der Australier im Photofinish vor dem spanischen Vorjahressieger gewinnen. Bereits die ersten Etappen zeigte sich Evans sehr aggressiv und wollte keine Sekunde verlieren. In den Pyrenäen und Alpen ließ er sich trotz der vielen Attacken seiner Konkurrenten nicht beirren und blieb immer an deren Hinterrad. Beim Zeitfahren zeigte er, dass Evans 2011 der kompletteste Fahrer im gesamten Tourfeld war. Ein großer Sieg, erinnerte ein wenig an die Art wie Miguel Indurain seine Gesamtwertungen gewann. In den Bergen am Hinterrad der besten, im Zeitfahren überragend. Evans ist nicht nur der erste Australier der eine Tour gewinnt, er ist auch der drittälteste Toursieger der Geschichte. Alter schützt also vor Erfolg nicht!
Immer wieder Cavendish
Sei Mentor und Trainer Erik Zabel war mit dem Grünen Trikot eng verbunden. Sechsmal trug er es nach Paris. Nun auch gelingt seinem Schützling Mark Cavendish (GBR) dieses Kunststück. Er war der beste Sprinter der letzten Jahre, 20 Etappensiege konnte er bei den letzten vier Teilnahmen verbuchen, aber das Trikot der Sprinter war unerreichbar. Es sah auch nach der ersten Woche nicht wirklich gut für den Briten aus. Die hügeligen Ankünfte sorgten für die verschiedensten Etappensieger, er selbst musste sich Tyler Farrar auf der 3. Etappe geschlagen geben. Dann folgten seine fünf Etappensieg, er nutzte alle seine Chancen perfekt, musste sich nur einmal André Greipel geschlagen geben. Jedoch eine Gefahr lauerte, die Manx Missile, so wie sich Cavendish gerne nennt, verglüht gerne in den Alpen. Doch sein Teamkollege Bernhard Eisel kümmerte sich um ihn, zog ihn über die Alpenpässe, unterstütze ihn und organisierte das “Grupetto”. Doch am Galibier und in Alpe d’Huez hatte der “Bus” Verspätung. Beide Male drohte an die 50 Fahrern der Tourausschluss aufgrund der Überschreitung der Maximalzeit, die auf der Etappe benötigt werden sollte. Tourorganisator Prudhomme zeigt sich aber gnädig, ließ die Fahrer nicht disqualifizieren sondern zog ihnen jeweils zwanzig Punkte in der Sprintwertung ab. Glück für Cav, aber dies sorgte fast dafür, dass der Brite bereits mehr Punkte vor Paris hatte, als nach der letzten Etappe. Auf der Avenue des Champs-Élysées schrieb er Geschichte. Als erster Brite gewinnt er das Grüne Trikot und als erster Radprofi gewinnt der die Schlussetappe zum dritten Mal.
Gelbfieber für Voeckler, Sternstunde für Rolland
Nach einem erfolgreichen Fluchtversuch schlüpfte Thomas Voeckler zum zweiten Mal nach 2004 ins Gelbe Trikot des Spitzenreiters. Der Franzose war auf Etappensiege im Vorfeld eingestuft worden, aber ein Platz unter den besten Zehn der Gesamtwertung wurde ausgeschlossen. Doch wie bereits 2004 erwies sich Voeckler als zäher Gegner wenn er das Gelbe Trikot auf seinen Schultern trägt. In den Pyrenäen verlor er fast keine Zeit auf die Favoriten. Auch in den Alpen konnte er mithalten. Als er auf den Col du Galibier hinauf die Spanier Sanchez und Contador abhängte hoffte ganz Frankreich auf eine Sensation. Diese blieb für Voeckler aus, auf der 19. Etappe nach Alpe d’Huez brach er ein, konnte nicht mehr mithalten und fiel auf Platz vier der Gesamtwertung zurück. Diesen rettete er aber nach Paris, das beste Ergebnis für einen Franzosen seit 2000. Aufgrund seiner Fahrweise im Führungstrikot lieben ihn die französischen Radsportfans. Er ging jede Attacke der Favoriten mit, kämpfte unermüdlich bis fast zum Umfallen. So agiert man in Gelb, dieses Trikot gibt man nicht auf. Mit Pierre Rolland hatte Voeckler einen starken Bergfahrer in seinem Europcar Team an seiner Seite. Oft als einziger Unterstützer konnte er mit den Favoriten noch mithalten, leistete damit wichtige Arbeit für seinen Kapitän. Erst als dieser auf der letzten Bergetappe größere Probleme hatte ließ er Rolland auf eigene Rechnung fahren. Der junge Franzose setzte sofort den Favoriten nach, attackierte vor dem Schlussanstieg und konnte sich mit den beiden Spaniern Sanchez und Contador absetzen. 2 Kilometer vor dem Ziel attackierte er und gewann die legendäre Ankunft in Alpe d’Huez als erster Franzose seit 1985. Zusätzlich gewann er die Nachwuchswertung der Tour. Drei der besten Vier der Nachwuchswertung kommen aus dem Land des Veranstalters. Kündigt sich damit eine Renaissance der Grande Nation im Radsport an?
Abgesehen vom Weißen Trikot gab es wenig Glanz für das Veranstalterland. Zumeist fielen die französischen Teams mit Fluchtversuchen auf, besonders das Team FDJeux. Aber Chancen auf Etappensiege waren eher selten. Der kämpferischte Fahrer der Tour Jeremy Roy scheiterte knapp vor dem Ziel. Nach langer Soloflucht wurde er vom Norweger Thor Hushovd eingeholt und auf den letzten Kilometern noch abgehängt.

das Peleton by Flickr/kdt
Norwegen entsendet zwei Sportler und gewinnt vier Etappen
Eine unglaubliche Rechnung, allerdings zeigen Edvald Boasson Hagen sowie Thor Hushovd, dass dies möglich ist. Herausragend aber vor allem das beide Sprinter auch auf den Bergetappen erfolgreich waren. Hushovd trägt auch bis zur neunten Etappe das Gelbe Trikot. Leider bleibt den norwegischen Fahrern aber das Feiern in Paris verwehrt, die Wahnsinnstat von Oslo überschattet die Erfolge der beiden Radprofis.
Nur wenige Teams gewinnen Etappen und feiern Erfolge 2011
Die Tourbilanz der meisten Teams wird auch sehr bescheiden ausfallen. Zehn Teams konnten jeweils eine oder mehrere Etappen gewinnen, die meisten der 22 Teams jedoch keine. Rekordsieger das Team HTC-Highroad aufgrund der fünf Cavendish-Siege und dem Zeitfahrerfolg des Deutschen Tony Martin. Vier Erfolge gab es für die Sieger der Teamwertung Garmin-Cervelo. Das US-amerikanische Team ist zu Saisonbeginn mit dem kanadischen Rennradhersteller und dessen TestTeam fusioniert. Der norwegische Weltmeister Thor Hushovd ergänzte das Team perfekt und gewann zwei Etappen. Es ist wohl der größte Erfolg nach dem Sieg bei Paris-Roubaix dieses Frühjahr durch Johan Vansummeren. Vor allem aber brachte das Team seit dem Debüt 2008 jeweils immer einen anderen Fahrer unter die Top Ten. 2008 war dies Christian Vande Velde auf Platz 4, 2009 wurde Bradley Wiggins ebenfalls Vierter, 2010 finishte Ryder Hesjedal auf Platz Sieben und dieses Jahr wird Tom Danielson Neunter.
Alle Etappensieger auf einem Blick:
1. Etappe – Philippe GILBERT (BEL) – Omega Pharma
2. Etappe – Team Garmin-Cervelo (USA)
3. Etappe – Tyler FARRAR (USA) – Garmin-Cervelo
4. Etappe – Cadel EVANS (AUS) – BMC Racing Team
5. Etappe – Mark CAVENDISH (GBR) – HTC-Highroad
6. Etappe – Edvald BOASSON HAGEN (NOR) – SKY Professional
7. Etappe – Mark CAVENDISH (GBR) – HTC-Highroad
8. Etappe – Rui COSTA (POR) – Movistar
9. Etappe – Luis-Leon SANCHEZ GIL (ESP) – Rabobank
10. Etappe – André GREIPEL (GER) – Omega Pharma
11. Etappe – Mark CAVENDISH (GBR) – HTC-Highroad
12. Etappe – Samuel SANCHEZ (ESP) – Euskatel
13. Etappe – Thor HUSHOVD (NOR) – Garmin-Cervelo
14. Etappe – Jelle VANENDERT (BEL) – Omega Pharma
15. Etappe – Mark CAVENDISH (GBR) – HTC-Highroad
16. Etappe – Thor HUSHOVD (NOR) – Garmin-Cervelo
17. Etappe – Edvald BOASSON HAGEN (NOR) – SKY Professional
18. Etappe – Andy SCHLECK (LUX) – Team Leopard
19. Etappe – Pierre ROLLAND (FRA) – Europcar
20. Etappe – Tony MARTIN (GER) – HTC-Highroad
21. Etappe – Mark CAVENDISH (GBR) – HTC-Highroad
Die Träger des Gelben Trikots 2011:
1. Etappe: Philippe GILBERT (BEL)
2. Etappe – 8. Etappe: Thor HUSHOVD (NOR)
9. Etappe – 18. Etappe: Thomas VOECKLER (FRA)
19. Etappe: Andy SCHLECK (LUX)
20. Etappe – 21. Etappe: Cadel EVANS (AUS)
Kategorien: News & Stories, Profisport, Radsport Magazin, Rennrad, Straßenrad
Stichwörter:











Noch keine Kommentare... Sei der erste und schreib etwas!